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Zurück zu den Grundlagen

original von Daniel Greenberg ("back to basics")
übersetzt von Martin Wilke

 

Warum geht man zur Schule?

Für Menschen, die die im Leben wichtigen Fragen selbst zu durchdenken gewohnt sind, steht Sudbury Valley für eine Herausforderung an die üblichen Antworten.

Intellektuelle Grundlagen

Der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt ist: "Wir gehen zur Schule, um zu lernen." Das ist das intellektuelle Ziel. Es kommt vor all den anderen. So sehr, daß "Bildung bekommen" gleichbedeutend mit "Lernen" geworden ist – etwas eng gefaßt, sicher, aber die Prioritäten werden deutlich.

Warum lernen die Leute dann nicht mehr in Schulen? Warum all die Klagen? Warum der scheinbar grenzenlose Aufwand, wenn man doch ständig nur auf der Stelle tritt, ohne daß von Fortschritt die Rede sein könnte?

Die Antwort ist erschreckend einfach. Schulen sind heutzutage Institutionen, in denen man unter "Lernen" "unterrichtet werden" versteht. Die Menschen sollen etwas lernen? Unterrichte sie! – Sie sollen mehr lernen? Unterrichte sie mehr! Und mehr! Laß sie härter arbeiten! Laß sie länger üben!

Aber Lernen ist ein Prozeß, den man tut, nicht ein Prozeß, der an einem getan wird. Das gilt für alle Menschen. Es ist elementar.

Wie kommt es, daß Menschen lernen? Seltsam, das zu fragen. Vor über 2000 Jahren begann Aristoteles sein bedeutendstes Buch mit der allgemein akzeptierten Antwort: "Der Mensch ist von Natur aus neugierig." Descartes machte es etwas anders, ebenfalls am Anfang seines größten Werkes: "Ich denke, also bin ich." Lernen, Denken, aktiv sein Gehirn zu benutzen – das ist das Wesen des Menschseins. Das ist natürlich.

Es ist sogar stärker als die großen Triebe – Hunger, Durst, Sex. Wenn man von etwas gefesselt ist – das entscheidende Wort ist "gefesselt" –, dann vergißt man all die anderen Triebe, so lange bis sie einen überwältigen. Wie schon seit langem bekannt ist, verhält sich das selbst bei Ratten nicht anders.

Wer würde auf die Idee kommen, Menschen zum Essen, zum Trinken oder zum Sex zu zwingen? (Ich spreche natürlich nicht von Menschen, die eine spezifische Behinderung haben, die ihre Triebe beeinträchtigt. Was ich hier schreibe, bezieht sich auch nicht auf Menschen, die spezifische geistige Beeinträchtigungen haben, auf welche in besonderer, medizinische Weise eingegangen werden muß.) Niemand steckt das Gesicht von Menschen alle Stunde in Schüsseln voll Essen, um sicherzustellen, daß sie essen; niemand sperrt Leute mit Partnern zusammen, acht Stunden am Tag, um sicherzustellen, daß sie sich paaren.

Das klingt lächerlich? Wieviel lächerlicher ist es dann, Leute zu etwas zwingen zu wollen, das – stärker noch als alles andere – absolut natürlich ist! Und jeder weiß doch, wie ausgeprägt diese überwältigende Neugier ist. Alle Bücher über Kindererziehung geben sich große Mühe, Eltern beizubringen, wie sie ihre kleinen Kinder von Sachen abhalten können – besonders, wenn sie erst einmal laufen können. Wir stehen nicht herum und drängen unsere einjährigen Kinder, ihre Umwelt zu erkunden. Im Gegenteil, wir werden unruhig, wenn sie unser Haus auseinandernehmen; wir versuchen immer, sie anzugurten und sie in Laufgitter einzusperren. Und je älter sie werden, um so mehr "stellen sie an". Hast Du jemals mit einem Zehnjährigen zu tun gehabt? Oder mit einem Teenager?

Menschen gehen zur Schule, um zu lernen. Zum Lernen müssen sie in Ruhe gelassen werden und Zeit haben. Wenn sie Hilfe brauchen, sollte sie ihnen gegeben werden – wenn wir wollen, daß Lernen seinen eigenen natürlichen Lauf nimmt. Aber Vorsicht: Wenn jemand entschlossen ist zu lernen, wird er alle Hindernisse überwinden und lernen, egal was passiert. Man muß also nicht helfen; Hilfe beschleunigt den Prozeß nur wenig. Hindernisse zu überwinden, ist eine der Hauptaktivitäten beim Lernen. Es schadet nicht, ein paar übrigzulassen.

Aber wenn man die Person belästigt/nervt, wenn man darauf besteht, daß sie ihr natürliches Lernen unterbricht und statt dessen von 9 bis 9.50 Uhr, von 10 bis 10.50 Uhr und so weiter das tut, was Du willst, wird die Person nicht nur, die Dinge nicht lernen, für die sie sich interessiert, sondern sie wird auch Dich hassen, Dich und alles hassen, was Du ihr aufzwingst. Und sie wird alle Lust am Lernen verlieren, zumindest vorübergehend.

Immer wenn Du an eine Klasse in einer jener Schulen da draußen denkst, stell Dir einfach vor, der Lehrer würde jedem Schüler Spinat, Milch, Karrotten und Keimlinge (alle diese "guten Sachen") reinwürgen, sie mit Hilfe eines großen Stockes den Hals hinunterschieben.

Sudbury Valley läßt ihre Schüler in Ruhe. Pause. Kein Aber. Keine Ausnahmen. Wenn wir gefragt werden, helfen wir, falls wir können. Wir mischen uns nicht ein. In erster Linie kommen die Leute zum Lernen her. Und genau das tun sie – jeden Tag, den ganzen Tag.

Berufliche Grundlagen

Als nächstes nach "Lernen" kommt immer die unangenehme Pflicht, zur Schule zu gehen, zur Sprache. Wenn es drauf ankommt, ist es den meisten Leute ziemlich egal, was oder wieviel sie oder ihre Kinder in der Schule lernen, solange sie in der Lage sind, eine gute Karriere zu machen – einen guten Job zu bekommen. Das heißt Geld, Status, Aufstieg. Je besser der Job, den man kriegt, um so besser die Schule, auf der man war.

Das ist der Grund, warum Phillips Andover oder Harvard so hoch eingestuft werden. Harvard-Studenten steigen in jedem Beruf auf. Dafür sind sie dankbar, und wenn sie älter werden, dann zeigen sie dies, indem sie das beste, was sie zu bieten haben, den neuen Studenten widmen, und indem sie Harvard große Summen spenden. Bei Yale, Dartmouth und all den anderen ist das nicht anders.

Welche Art von Schule ist heute, am Ende des 20. Jahrhunderts, am besten in der Lage, einen Schüler für eine gute Karriere vorzubereiten?

Die Antwort ist wirklich nicht schwer. Alle schreiben darüber. Die Schüler erwartet das postindustrielle Zeitalter, das Informationszeitalter, das Dienstleistungszeitalter, das Zeitalter von Imagination, Kreativität und Unternehmertum. Die Zukunft gehört Leuten, die in der Lage sind, mit Sachen umzugehen, zu gestalten, zu formen, zu organisieren, mit neuem und mit altem Material umzugehen, mit neuen Ideen und mit alten, mit neuen Fakten und mit alten Fakten.

Derartige Aktivitäten kommen in gewöhnlichen Schulen nicht vor, nicht mal außerhalb des Unterrichts, geschweige denn den ganzen Tag lang.

Gewissermaßen besteht bei Sudbury Valley der gesamte "Lehrplan" nur aus diesen Aktivitäten.

Hört sich das weit hergeholt an? Für ein ungeübtes Ohr vielleicht. Aber Geschichte und Erfahrung geben uns Recht. Wie sonst sollte man die Tatsache erklären, daß alle unsere Abgänger, die auf einem College weitermachen und dort einen Abschluß erlangen wollen, das immer – keinen einzigen ausgenommen – schaffen, meist an der Schule ihrer Wahl? Ohne Kopien, Protokolle, Berichte, mündliche oder schriftliche Empfehlungen. Was sehen die Zulassungs-Leute am College in diesen Schülern? Warum werden sie angenommen – reißt man sich oft sogar um sie? Warum nehmen diese ausgebildeten Verwaltungsangestellten, die in ‘A’-Durchschnitten, glühenden Briefen von Lehrern, hohen SAT scores nur so schwimmen, warum nehmen sie Sudbury-Valley-Schüler?

Natürlich kennst Du die Antwort, auch wenn sie schwer einzugestehen ist; sie ist zu sehr gegen die üblichen Vorstellungen. Diese geübten Profis haben in unseren Schülern fröhliche, aufgeweckte, selbstsichere, kreative Köpfe gesehen – der Traum jeder weiterführenden Schule.

Die Aufzählung spricht für sich. Unsere Schüler sind in einem weiten Feld von Berufen (oder Schulen, im Fall der jüngeren Abgänger) tätig. Sie sind Ärzte, Tänzer, Musiker, Geschäftsleute, Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller, Automechaniker, Handwerker ... Unnötig, fortzufahren. Du kannst sie treffen, wenn Du willst.

Wenn heute jemand zu mir käme und fragen würde: "Zu welcher Schule soll ich mein Kind schicken, wenn ich sichergehen will, daß es die besten Chancen für beruflichen Aufstieg im Fachgebiet seiner Wahl erhält?", dann würde ich ohne das geringste Zögern antworten: "Sudbury Valley ist für diesen Zweck die beste Schule im Land." Leider ist sie zur Zeit der einzige Typ von Schule, der diese Aufgabe erfüllt und die Zukunft im Blick hat.

Was Berufe angeht, hat Sudbury Valley der Zukunft die Stirn geboten und damit Erfolg gehabt. Es ist nicht länger notwendig, in der Vergangenheit rumzuwühlen.

Moralische Grundlagen

Jetzt kommen wir zu einem sensiblen Thema. "Schulen sollen gute Menschen hervorbringen." Das ist ein Gemeinplatz. Natürlich will niemand, daß Schulen schlechte Menschen hervorbringen.

Aber wie macht man gute Menschen? Das ist der Haken. Ich wage zu sagen, daß niemand die Antwort wirklich kennt, jedenfalls soweit ich das um mich herum sehe. Aber zumindest haben wir etwas Ahnung von den Thema. Wir wissen, und haben (wieder einmal) aus der Erfahrung vergangener Zeiten gelernt, was die unverzichtbare Zutat für moralisches Handeln ist; die Zutat, ohne die Handlungen im besten Fall amoralisch, im schlechtesten Fall unmoralisch sind.

Dieser Bestandteil ist persönliche Verantwortung.

Jedes ethische Verhalten setzt sie voraus. Um ethisch zu sein, muß man in der Lage sein, einen Weg auszuwählen und die volle Verantwortung für die Entscheidung und deren Folgen zu akzeptieren. Man kann nicht in Anspruch nehmen, ein passives Instrument des Schicksals, von Gott, von anderen Leuten oder von höherer Gewalt zu sein; solch ein Anspruch würde sofort dazu führen, daß alle Unterschiede zwischen Gut und Böse sinnlos und inhaltsleer werden. Der Ton, aus dem der schönste Topf der Welt geformt wurde, kann keinen Anspruch erheben, Ursache der Schönheit dieses Topfes zu sein.

Ethik geht von der Grundidee aus, daß ein Mensch für seine Handlungen verantwortlich ist. Das ist eine Tatsache. Schulen können das weder ändern noch vermindern. Schulen können das aber entweder anerkennen oder leugnen.

Leider entscheiden sich heutzutage praktisch alle Schulen dafür, zu leugnen, daß Schüler für ihre Handlungen persönlich verantwortlich sind, auch wenn die Leiter dieser Schulen Lippenbekentnisse für dieses Konzept abgeben. Die Leugnung ist dreifacher Art: Schulen erlauben ihren Schülern nicht, ihren Handlungslauf vollständig selbst zu bestimmen; sie erlauben Schülern nicht, den einmal gewählten Weg zu verwirklichen; und sie erlauben Schülern nicht, die Konsequenzen dieses Weges zu tragen. Entscheidungsfreiheit, Handlungsfreiheit und die Freiheit, die Folgen des Handels zu tragen – das sind die drei großen Freiheiten, die persönliche Verantwortung ausmachen.

Es ist ja bekannt, daß es Bestandteil der grundsätzlichen Verfahrensweise der Schulen ist, Wahl- und Handlungsfreiheit einschränken. Aber ist es verwunderlich, daß Schulen die Freiheit, die Folgen der eigenen Handlungen zu tragen, einschränken? Das sollte es nicht. Es ist zu einem Grundsatz modernen Erziehung geworden, daß die Psyche eines Schülers in dem Maß Schaden nimmt, wie sie auf das doppelte Übel von Ablehnung und Erfolglosigkeit trifft. "Erfolg führt zum Erfolg" heißt es heute; Ermutigung, niemanden vor den Kopf stoßen, enttäuschende Rückschläge vermeiden; die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Daß unsere Schulen nicht für ethische Ausbildung bekannt sind, ist kein Wunder. Ihr Versagen entschuldigen sie, indem sie sagen, daß Wertevermittlung in die Elternhäuser gehöre. Sicher, das tut sie. Aber schließt es sie deshalb von der Schule aus?

Zurück zu den Grundlagen. Bei Sudbury Valley ist es um diese drei Freiheiten gut bestellt. Jeder trägt für sich selbst die Verantwortung. Verantwortung ist universell, immer gegenwärtig, real. Wenn Du irgend einen Zweifel daran hast, komm vorbei und sieh Dir die Schule an! Schau Dir an, was die Schüler so tun. Studiere das Justizsystem. Erlebe mit, wie ein Schüler in der Abschlußprüfung eine Versammlung von Mitschülern davon überzeugen muß, daß er bereit ist, in der Gesellschaft für sich selbst verantwortlich zu sein, so wie er es auch an der Schule gewesen ist.

Bringt Sudbury Valley gute Menschen hervor? Ich denke, ja. Und schlechte auch. Aber sowohl die guten als auch die schlechten haben zu jeder Zeit persönlich Verantwortung für ihre Taten übernommen, und ihnen wird klar, daß sie für ihre Taten voll verantwortlich und haftbar sind. Das ist es, was Sudbury Valley auszeichnet.

Soziale Grundlagen

Vor einiger Zeit kam es in Mode, unsere Schulen zu bitten, auf die soziale Eingewöhnung der Schüler zu achten. Ihnen beibringen, wie man zurechtkommt; unsere Gesellschaft von sozialen Mißständen befreien, in dem man das Problem an der Wurzel packt, in der Schule. Ein hochgestecktes Ziel? Vielleicht. Aber, wieviele Leute haben sich abgemüht mit Schulberichten über ihre eigene gesellschaftliche Anpassung, oder die ihrer Kinder, bzw. über deren Fehlen! Ist es nicht seltsam, wie schlecht die Leute ihre Sachen manchmal hinkriegen? Ich meine, Menschen sozialisieren zu wollen, ist schon schwer genug; die Schulen aber scheinen dieses Ziel schon fast methodisch zu verfehlen.

Nehmen wir mal die Trennung nach dem Alter. Welches Genie hat sich umgeschaut und ist auf die Idee gekommen, daß es sinnvoll wäre, die Menschen streng nach ihrem Alter auseinanderzuhalten. Findet solch eine Einteilung irgendwo von Natur aus statt? Arbeiten in der Industrie alle 21jährigen getrennt von den 20jährigen oder von den 23jährigen? Gibt es in der Geschäftswelt getrennte Räume für 30jährige Angestellte und für 31jährige? Bleiben auf dem Spielplatz Zweijährige von Einjährigen und Dreijährigen fern? Wo, wo auf Erden wurde diese Idee ausgebrütet? Gibt es irgendetwas, das sozial schädlicher ist, als Kinder 14 – oft 18 – Jahre lang nach Jahrgängen zu sortieren?

Oder nimm die häufig anzutreffende Geschlechtertrennung, die es auch in koedukativen Schulen für zahlreiche Aktivitäten gibt.

Oder die große Kluft zwischen Kindern und Erwachsenen – hast Du mal beobachtet, wie verbreitet es unter Kindern ist, Erwachsenen nicht in die Augen zu sehen?

Und jetzt betrachten wir mal die gesellschaftliche Situation, die für Kinder innerhalb ihrer eigenen Altersgruppe geschaffen wurde. Wenn die Schulen einem Zwölfjährigen schon normale menschliche Beziehung zu Elfjährigen, Dreizehnjährigen, Erwachsenen, usw. geradezu unmöglich machen, wie werden wohl die Beziehungen zu anderen Zwölfjährigen aussehen?

Keineswegs besser. Die hauptsächliche, fast ausschließliche Beziehungsform, die in der Schule unter Schülern einer Klasse gepflegt wird, ist – Konkurrenz! Ruinöser Wettbewerb! Die Hackordnung kommt an erster Stelle. Wer ist besser als wer, wer ist schlauer, schneller, größer, hübscher – und natürlich: Wer ist schlechter, dümmer, langsamer, kleiner, häßlicher?

Hätte man jemals ein System entworfen, das Konkurrenz, Unbeliebtheit, Unsicherheit, Paranoidität und soziale Mißstände erzeugt, die jetzigen Schulen wären seine Verwirklichung.

Zurück zu den Grundlagen. Im wirklichen Leben ist Kooperation das wichtigste soziale Merkmal für eine stabile, gesunde Gesellschaft. In der realen Welt ist die wichtigste Form von Wettbewerb der gegen sich selbst, gegen Ziele, die man sich selbst gesetzt hat, um voranzukommen. In der realen Welt ist eine zwischenmenschliche Konkurrenz um ihrer selbst willen allgemein als sinnlos und destruktiv erkannt – selbst in großen Konzernen und im Sport.

In der realen Welt – und in der Sudbury Valley School, die eine Schule für die reale Welt ist.

Politische Grundlagen

Wir halten es für selbstverständlich, daß Schulen begünstigen sollten, ein guter Bürger zu sein. Allgemeinbildung hat besonders in diesem Land immer auch sehr darauf geachtet, aus uns allen gute Amerikaner zu machen.

Wir alle wissen, wofür Amerika steht. Unsere Gründungsväter haben die Grundprinzipien klar dargelegt. Und sie wurden seitdem ständig weiterentwickelt.

Dieses Land ist eine demokratische Republik. Es gibt keinen König, keinen Hofstaat, keinen Adel, keine inherente Hierarchie, keinen Diktator. Es gibt eine Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk. In politischen Angelegenheiten entscheidet die Mehrheit. Alle Betroffenen können mitentscheiden.

Dieses Land ist ein Land der Gesetze. Es gibt keine willkürlichen Herrscher, keine launische Regierung, die mal gibt, mal nimmt. Es gibt Gerichtsverhandlungen.

In diesem Land haben die Menschen Rechte – angeborene Rechte. Unseren Vorvätern haben diese Rechte so viel bedeutet, daß sie sich weigerten, die Verfassung ohne einen Grundrechtekatalog zu unterschreiben, der sofort hinzugefügt wurde.

Mit all diesem Wissen würden wir erwarten – nein, darauf bestehen, sollte man meinen – daß die Schulen, wenn sie den Schülern beibringen wollen, produktiv zur politischen Stabilität und Entwicklung Amerikas beizutragen, folgende Eigenschaften haben müssen: Daß sie

  • demokratisch und nicht autokratisch sind,
  • mit klaren Regeln regiert werden und "Gerichts"-Verhandlungen abhalten,
  • Schützer der Persönlichkeitsrechte der Schüler sind.

Ein Schüler, der in einer Schule mit diesen Merkmalen aufwächst, wäre in der Lage, sich in der Gesellschaft zu bewegen.

Tatsächlich aber stechen die Schulen durch die totale Abwesenheit eines jeden dieser drei genannten zentralen amerikanischen Werte hervor.

Sie sind autokratisch – alle von ihnen, sogar die sogenannten progressiven Schulen.

Ihnen fehlen klare Richtlinien. Und Verhandlungen zu machen, wie es bei beschuldigten Regelverletzern üblich ist, ist ihnen völlig unbekannt.

Sie erkennen die Rechte von Minderjährigen nicht an.

So ist es bei allen – außer Sudbury Valley, die auf diesen drei Prinzipien aufgebaut wurde.

Ich denke, man kann sicher sagen, daß die individuellen Freiheiten, die von unseren Vorfahren und von jeder nachfolgenden Generation so wertgeschätzt wurden, niemals wirklich in Sicherheit sein werden, solange unsere Jugend in der Schule keine Umgebung findet, die diese amerikanischen Wahrheiten verkörpert, gerade auch für die entscheidenden Jahre, in denen sich ihr Gedächnis und ihr Geist formen.

Zurück zu den Grundlagen

Man sieht also, Sudbury Valley wurde 1968 von Leuten gegründet, die sehr intensiv über Schulen nachgedacht haben, darüber, wie Schulen sein und was sie tun sollten, darüber, worum es in Amerika bei Bildung heutzutage überhaupt geht.

Wir begaben uns zurück zu den Grundlagen; und wir blieben bei ihnen. Und wir haben diese Grundlagen vor allen Versuchen, sie zu gefährden, beschützt wie unseren Augapfel. Auch unsere Nachfolger müssen sie weiter bewachen. Intellektuelle Kreativität, berufliche Brillanz, persönliche Verantwortung, gesellschaftliche Toleranz, politische Freiheit – all das sind die besten Schöpfungen des menschlichen Geistes. Sie sind zarte Blüten, die beständige Pflege erfordern.

Alle von uns, die in Verbindung mit Sudbury Valley stehen, sind stolz darauf, zu dieser Pflege beizutragen.

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