Konkrete
Bildungsmöglichkeiten
Schultyp 1: Sudbury Schools
Vor allem der erste Schultyp, der hier im folgenden beschrieben werden
soll, klingt utopisch, aber er ist es nicht. Weltweit, auf vier Kontinenten, gibt es
bereits Schulen, die so funktionieren. Die älteste dieser Schulen, die Sudbury Valley
School in Framingham (Massachusetts, USA), existiert schon seit über 30 Jahren. Und immer
wieder aufs Neue zeigt sich, daß Lernen so tatsächlich funktioniert und effektiv ist.
Die Sudbury Valley School ist ein wahres "Erfolgsmodell", das nun hier als
staatliches Bildungsangebot in Serie gehen könnte.
ALLGEMEINES
Diese Schule umfaßt etwa 40 bis 80 Schüler und drei bis sechs Lehrer.
Die jüngsten Schüler sind etwa vier Jahre alt, die ältesten ungefähr 20. Das
"Eintrittsalter" variiert von Person zu Person, aber grundsätzlich ist es nie
zu spät, Schüler dieser Schule zu werden, und aufhören kann man natürlich auch zu
jeder Zeit.
Die Schüler können den ganzen Tag über tun und lassen, was sie
wollen, sofern sie dabei niemand anderes stören. Sie können die Schule und das
Schulgelände jederzeit verlassen, da es keine Anwesenheitspflicht gibt. Es gibt keine
Pflichtveranstaltungen, höchstens gegenseitige freiwillige Vereinbarungen zwischen
Lehrern und Schülern, auch untereinander.
Schüler und Lehrer sind völlig gleichberechtigt. Die Schüler duzen
die Lehrer und reden sie mit dem Vornamen an, und umgekehrt ist es natürlich genauso. Die
Beziehungen zwischen den Schülern und den Lehrern unterscheiden sich kaum von den
Beziehungen der Schüler untereinander. Die Atmosphäre in der Schule ist locker und
familiär.
Die Schüler werden nicht nach dem Alter getrennt. Klassen gibt es
nicht. Freundschaften und Interessengemeinschaften wie Lerngruppen entstehen über
Altersunterschiede hinweg.
LERNFORMEN
Unterricht im herkömmlichen Sinne ist die Ausnahme und kommt nur
zustande, wenn Schüler dies ausdrücklich wünschen. Lernen ist voll im Leben integriert.
Daß die Schule ein Lebensort ist, zeigt sich auch daran, daß sie ähnlich wie eine
große Wohnung eingerichtet ist. Klassenräume gibt es nicht.
Einige sitzen still irgendwo in der Gegend und lesen ein Buch, andere
unterhalten sich oder diskutieren über irgend etwas und noch andere spielen, machen
Sport, surfen im Internet, lesen Zeitung, zeichnen, machen Musik, träumen, usw. Lernen
ist einfach nicht vom sonstigen Leben getrennt. Irgendeine Sache klappt nicht so, wie man
es sich gedacht hatte, also überlegt man, wie man das Problem lösen kann. Man will
irgendwas wissen, also versucht man, es herauszufinden. Manche Sachen probiert man einfach
aus, andere läßt man sich von jemandem erklären. Einen Teil lernt man dadurch, daß man
Erwachsenen zusieht, wie sie eine Sache tun, oder dadurch, daß man es mit ihnen zusammen
tut. Aber das meiste, was man lernt, lernt man von anderen Kindern; und es hat mit dem
Leben zu tun wie man lebt und wie Sachen passieren. Das meiste kommt vom
Herumsitzen und Reden: ein Gedanke kommt auf und entwickelt sich von sich aus weiter. Oft
ist einem gar nicht bewußt, daß man lernt. Lernen passiert ganz natürlich, wie atmen
auch. Hier wird nicht Zeit abgesessen, sondern hier findet aktives Leben statt.
Daß es in so einer Schule keinen Lehrplan gibt, ist klar. Jeder
beschäftigt sich damit, wofür er sich interessiert. Niemand kann einen anderen zum
Lernen zwingen.
Die Lehrer drängen sich nicht auf, sondern stehen zur Verfügung. Falls
gerade kein Schüler ihre Mitarbeit benötigt, kümmern sie sich z.B. um Verwaltungsarbeit
oder gehen ihren eigenen Interessen nach.
Zensuren oder andere vergleichbare Bewertungen gibt es natürlich nicht.
Wer eine Rückmeldung über seine Fähigkeiten haben will, kann einen Lehrer oder andere
Schüler um eine Einschätzung bitten. Wer will, kann sich auch freiwilligen Tests
unterziehen, die dann nur dem Schüler zur Information dienen, zu mehr nicht.
Im Laufe der Zeit entwickeln die Schüler spezielle Interessen, denen
sie sehr ausgiebig nachgehen, zum Beispiel Musikinstrumente spielen, Computer
programmieren, Latein lernen, Philosophie, höhere Mathematik, Quantenphysik, Chemie,
Genetik, usw. Meistens beschäftigen sie sich mit diesen Sachen nicht deshalb, weil sie in
ihrem Leben eine Rolle spielen würden, sondern weil sie sich selbst herausfordern wollen.
Die Schüler tun überwiegend nicht die Sachen, die ihnen leicht fallen, sondern gerade
die, die ihnen schwer fallen. Sie sind sich ihrer Stärken und Schwächen sehr bewußt und
arbeiten hart an Letzteren. Und wenn sie etwas nicht auf Anhieb schaffen, versuchen sie es
eben nochmal und nochmal, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Sie erreichen
Höchstleistungen, die nicht durch Drill und Zwang, sondern nur durch Freiwilligkeit
erreicht werden können.
ORGANISATION
Auch an einer mit 40 bis 80 Schülern eher kleinen Schule gibt es
Entscheidungen zu fällen. Und in einer demokratischen Schule werden Entscheidungen nicht
von "von oben" gefällt, sondern auf demokratische Weise getroffen. Alle
Angelegenheiten werden auf der wöchentlichen Vollversammlung (VV) geregelt, bei der jeder
Schüler und jeder Lehrer eine Stimme hat (Schülervertretung im klassischen Sinne ist
innerhalb dieser Schule damit weitgehend überflüssig). Auf der VV werden neben
Alltagssachen auch Entscheidungen getroffen über Anschaffungen und andere Geldausgaben,
über die Einstellung von Lehrern, die Benutzung von technischen Geräten, die Hausordnung
und die Zuständigkeiten für Verwaltungssachen. VVs, auf denen über Angelegenheiten
großer Tragweite diskutiert und entschieden werden soll, werden besonders angekündigt.
Die Teilnahme an den VVs ist keine Pflicht, aber wer fehlt, kann weder seine Ansichten
einbringen noch mitbestimmen.
Die VV kann sich darauf einigen, daß für bestimmte Angelegenheiten
gesonderte Arbeitsgruppen eingerichtet werden, die z.B. Vorschläge für die Verwendung
des Geldes erarbeiten und diese dann der VV zur Abstimmung vorlegen.
Eltern können sich mit ihren Ideen einbringen und der Schule als
Berater zur Seite stehen. Unmittelbare Mitbestimmung ist für die Eltern nicht vorgesehen,
da sie nicht direkt von den Entscheidungen betroffen sind.
Eine faire Justiz gehört nicht nur zu einem freiheitlich-demokratischen
Staat, sondern auch zu einer ebenso verfaßten Schule. Beschwerden über die Verletzung
von Regeln werden von einem Justizkommitee untersucht, das manchmal auch Strafen
ausspricht. Das Justizkommittee besteht z.B. aus acht Leuten; zu zwei direkt gewählten
Leuten kommen fünf zufällig ausgewählte Schüler und ein Lehrer. Die Besetzung des
Justizkommittees kann z.B. monatlich neu bestimmt werden und wird grundsätzlich auf der
VV beschlossen.
Wenn das Justizkommittee jemanden für schuldig hält und er sich nicht
schuldig bekennt, gibt es eine Verhandlung. Wenn sich eine Person schuldig bekennt oder
ihre Schuld nachgewiesen wurde, wird diese Person vom Justizkommittee verurteilt. Urteile,
die von dem Beklagten (oder anderen) als unfair empfunden werden, können auf der VV
eingebracht werden. Diese Regeln gelten für Schüler und Lehrer gleichermaßen, so daß
nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer sich vor den anderen verantworten müssen.
AUSSTATTUNG
Damit eine Bildungseinrichtung vernünftig funktioniert, muß sie auch
sinnvoll ausgestattet sein. Dazu zählt z.B. genügend Platz für alle Leute, so daß man
sich bei Bedarf aus dem Weg gehen und sich zurückziehen kann. Zu einer sinnvollen
Ausstattung zählen vor allem auch vielfältige Materialien, mit denen die Schüler die
Sachen, die sie wissen wollen, herausfinden können. Solche Materialien sind nicht nur
Bücher und Kopiervorlagen, sondern auch Videos, CD-ROMs und genügend Internetzugänge.
Zudem braucht man Computer mit aktueller Software, Möglichkeiten selbst Musik zu machen,
verschiedenste Spiele und praktische Werkstätten für z.B. Holz- und Keramikarbeiten,
Möglichkeiten für sportliche Betätigung, Chemie- und Biolabor, Dunkelkammer, usw. Da
wahrscheinlich nicht jede Schule alle dieser Ausstattungsbestandteile hat, entsteht eine
Kooperation mit anderen Einrichtungen.
SONSTIGES
Die Schule und ihre Infrastruktur können den Schülern und Lehrern auch
weit über die Öffnungszeiten von derzeitigen Staatsschulen hinaus zur Verfügung stehen,
z.B. von 7 20 Uhr oder auch am Wochenende und in der Ferienzeit. Da es keinen
Unterricht im klassischen Sinne gibt, kann man auch keinen Unterrichtsstoff verpassen,
wenn man nicht die gesamte Zeit in der Schule verbringt. Es ist also auch überhaupt kein
Problem, wenn Schüler außerhalb der eigentlichen Ferienzeiten, die nur in anderen
Schulen eine Rolle spielen, verreisen oder vormittags private Erledigungen machen,
einkaufen gehen oder einfach nur ausschlafen.
Da diese Schulen nur relativ wenige Schüler umfassen, entstehen
einfacher soziale Bindungen, weil sich fast alle untereinander kennen und wesentlich mehr
miteinander machen als in heutigen Staatsschulen.
Eine weitere Folge der geringen Schülerzahl pro Schule ist, daß es
viel mehr einzelne Schulen gibt, die entsprechend dezentral verteilt sind, was einen
kürzeren Schulweg mit sich bringt.
Wie oben schon erwähnt, gibt es solche Schulen wirklich, an denen
keinerlei Druck ausgeübt wird und an der Schüler tatsächlich tun und lassen können,
was sie wollen und die Schüler sind in jeder Hinsicht außerordentlich
erfolgreich. (Wers nicht glaubt, kann alles unter www.sudval.org nachlesen.)
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Schultyp 2
Der zweite Typ staatlicher Schulen erinnert durchaus an Schulen im
üblichen Sinne, mehr jedoch an Universitäten. Im wesentlichen besteht er aus einem
System projekt- bzw. themenbezogener Kurse.
Auch an diesem Typ Schule gilt die grundsätzliche Abwesenheit von
Zwang. Es gibt keinen einzigen Kurs, den ein Kind oder Jugendlicher gezwungen wäre zu
besuchen. Die Kurse verstehen sich also lediglich als Angebot.
In diesen Kursen wird so ziemlich alles angeboten, was von Interesse
sein könnte, von Lesen und Schreiben lernen über Funktionsweise eines Kernkraftwerkes
bis hinzu Japanisch und Integration von gebrochenrationalen Funktionen. Auch in der
herkömmlichen Schule eher unübliche Themen wie z.B. Recht, Philosophie, Meteorologie,
Astronomie, Ökologie, Landwirtschaft, Tischlern, Psychologie, Wirtschaft,
Telekommunikationswesen, Journalismus und Fotografie werden angeboten. Diese Kurse müssen
nicht alle tatsächlich stattfinden, aber eingerichtet werden können, wenn Leute etwas
darüber wissen wollen. Da fast zwangsläufig nicht alle Sachen, wofür sich die Schüler
interessieren, im Grundangebot der Schule enthalten sind, können die Schüler weitere
Kurse vorschlagen, für die dann jemand gesucht wird, der sie anbietet. Und andersherum
kann jeder selbst Kurse anbieten, wenn er glaubt, daß es Interessenten dafür gibt.
Da die Kurse oftmals nur ein bestimmtes Thema umfassen, dauern sie oft
nur wenige Wochen. Andere Kurse, z.B. Sprachen werden, halbjahresweise angeboten.
Hat man sich für einen Kurs eingeschrieben, so ist man falls
nicht anders vereinbart verpflichtet, tatsächlich teilzunehmen, damit man nach
mehrmaligem Fehlen nicht durch ständiges Nachfragen andere beim Lernen stört. Es kann
vereinbart werden, daß Kursteilnehmer, die häufig ohne wichtigen Grund fehlen und
dadurch die anderen beeinträchtigen, aus diesem konkreten Kurs ausgeschlossen werden
können. In Einzelfällen kann sich ein Schüler natürlich mit Mitschülern und Lehrer
darauf einigen, hin und wieder nicht anwesend zu sein, um andere für ihn wichtige Sachen
zu tun.
Grundsätzlich hat jeder Schüler das Recht, jeden Kurs abzubrechen, ihn
also nicht weiter zu besuchen. Er kann den Kurs dann in einem späteren Halbjahr erneut
belegen, wenn er möchte.
Dadurch, daß sich immer nur einigermaßen Interessierte in einen Kurs
einschreiben, gibt es kaum Störer und es herrscht eine produktivere Arbeits- und
Lernatmosphäre.
Auch an diesem Typ Schule gibt es keine Trennung der Schüler nach ihrem
Alter. Das ist auch deshalb notwendig, weil es sich ja um freiwillige,
nachfrageorientierte Lerngruppen handelt und das Interesse für ein bestimmtes Thema nicht
bei jedem zum gleichen Lebenszeitpunkt aufkommt.
Bei zahlreichen Kursen muß man, um teilnehmen zu können, nachweisen,
daß man über die dafür notwendigen Grundlagen verfügt. Wer z.B. einen der Physikkurse
wählen will, muß von gewissen mathematischen Grundlagen eine Ahnung haben. Daß heißt
nicht, daß er zuvor einen Mathekurs besucht haben muß, sondern nur, daß er sich damit
hinreichend auskennen muß. Wann, wo, wie und von wem er sich geeignete Grundlagen
aneignet, entscheidet jeder selbst.
Informationen darüber, welches diese notwendigen Grundlagen sind,
müssen allen Schülern ohne nennenswerte Hürden zugänglich sein. Zudem muß es von
möglichst allen Kursen Inhaltsbeschreibungen geben, damit Interessierte im Voraus wissen,
was sie etwa erwartet. Auch Unentschlossenen kann so die Entscheidung einfacher gemacht
werden.
Die konkreten Arbeitsweisen dürften in den meisten Kursen erheblich von
heutigen Formen (Lehrer steht vorne und erteilt Anweisungen) abweichen. Darüber, wie
diese Arbeitsweisen dann konkret aussehen, einigen sich Schüler und Lehrer innerhalb
ihres Kurses.
Zensuren gibt es nicht. So etwas wie Sitzenbleiben gibt es auch nicht.
Es kann aber sein, daß ein Schüler die Anforderungen für einen weiterführenden Kurs
nicht erfüllt und sich deshalb entscheidet, den Vorgängerkurs noch einmal zu besuchen.
In diesem Fall wiederholt er nur diesen einen Kurs und nicht alle Kurse des letzten
Jahres.
Natürlich gilt auch in diesem Typ Schule, daß die Lehrer keine
Machtmittel haben, mit denen sie die Kinder erpressen könnten. Unabhängig von ihrem
Alter sind alle an der Schule beteiligten Personen gleichberechtigt. So muß es auch keine
große Ausnahme sein, daß sich die üblichen Rollenverhältnisse vertauschen, daß es
also Kinder und Jugendliche gibt, die Kurse leiten und daß es Lehrer gibt, die sich in
solchen von jungen Menschen geleiteten Kursen weiterbilden, beispielsweise über neue
Computerprogramme oder Fremdsprachen.
Es kann übrigens auch Kurse geben, die aus losen Vortrags- oder
Veranstaltungsreihen bestehen. Bei Bedarf sind Honorarkräfte oder Referenten anzufragen.
Um den Schulablauf organisatorisch einfacher und übersichtlicher zu
machen, wird das Prinzip der jetzigen Stundenpläne grundlegend umgestaltet. Man hat am
Tag nicht mehr bis zu sieben verschiedene Kurse, sondern im Normalfall höchstens zwei.
Der eine Kurs findet am Vormittag, der andere am frühen Nachmittag statt. Auf diese Weise
muß man sich auch nicht alle 45 Minuten auf ein anderes Thema einstellen, was die Sache
sowohl für Schüler als auch für Lehrer erleichtert. Darüber, wie lange eine
Unterrichtseinheit genau dauert und ob es zwischendurch eine Pause gibt, einigen sich die
Kursteilnehmer untereinander entweder einmal grundsätzlich oder jede Woche neu. Da
es bestimmte Kurse (zu wenig nachgefragten Themen) nicht an allen Schulen geben kann, ist
eine Abstimmung der Kurszeiten unter den Schulen notwendig, so daß Interessierte auch
Angebote anderer Schulen wahrnehmen können. Der Vormittagskurs könnte pauschal innerhalb
der Zeit von z.B. 9.30 bis 12.30 Uhr stattfinden, der Nachmittagskurs zwischen 13 und 16
Uhr. Denkbar sind auch Kurse und Veranstaltungen am Abend. Wieviele junge Menschen an
Abendveranstaltungen interessiert sind, wird sich zeigen.
Analog zu dem als erstes beschriebenen Schultyp werden Entscheidungen
auch hier in Vollversammlungen gefällt, in denen jeder Schüler und jeder Lehrer eine
Stimme hat. Auch das Justizsystem wird vom ersten Schultyp übernommen.
Insgesamt erfüllt dieser Schultyp in vollem Maße die Anforderung, daß
die Menschenrechte der Kinder und Jugendlichen geachtet werden und Lernen selbstbestimmt
ist.
Die Schule ist zwar insgesamt so organisiert, daß man seine Bildung im
Prinzip fast ausschließlich von dort beziehen kann, aber die meisten Schüler werden
diese Schule nur teilweise nutzen und ihr restliches Wissen und Können aus anderen
Quellen beziehen. Es ist vor allem wahrscheinlich, daß Schüler von Sudbury Schools
einzelne Angebote der kursorientierten Schulen in Anspruch nehmen.
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andere Schulen
Neben diesen staatlichen Angeboten wird noch eine mehr oder weniger
große Anzahl an nichtstaatlichen Schulen entstehen. Das können Schulen sein, die z.B.
eine Mischung aus den beiden beschriebenen Schultypen sind, aber auch Schulen, die wie
jetzige Staatsschulen funktionieren, katholische Internate, autoritäre Eliteanstalten,
jetzige und sonstige Alternativschulen. Auch die kritikwürdigsten Schulen kann es geben,
solange sichergestellt werden kann, daß es die freie Entscheidung des Kindes bzw.
Jugendlichen ist, sich dem auszusetzen. Dauerhaft wird es letztendlich nur Schulen geben,
die den Schülern auch gefallen, sonst würden sie ja nicht mehr hingehen und diese
Schulen würden schließen.
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weitere
Bildungsmöglichkeiten
Schulen sind bei weitem nicht die einzigen Möglichkeiten, zu Bildung zu
kommen. Eine meist sehr angenehme Variante ist Verreisen. Fahrten kann es aus ganz
verschiedenen Anlässen und mit ganz verschiedenen Zielstellungen geben. Man kann sowohl
zu einer Computermesse fahren, als auch Vulkane und Geysire in Island kennenlernen,
Ausgrabungsstätten besuchen, Bergsteigen, mit anderen Kulturen zu tun haben und
Fremdsprachen sprechen, z.B. wenn man in Gastfamilien wohnt. Solche Fahrten können sich
auf ein bestimmtes Thema konzentrieren oder auf mehrere Themen oder auf gar keines.
Einfach Spaß zu haben und etwas zu unternehmen, ist auch ein Motiv. Jedenfalls lernt man
bei so einer Fahrt zahlreiche Sachen, die mit dem Leben zu tun haben. Eine gewisse
Grundunordnung, Organisationsschwierigkeiten, Bahnstreiks usw. machen die Angelegenheit
noch spannender.
Grundsätzlich sollte jedes Bildungssystem den Anspruch haben, Kinder
und Jugendliche dabei zu unterstützen, sich in der Erwachsenenwelt zurechtzufinden. Auf
einen der wichtigsten Aspekte des Erwachsenenlebens, sollten sich junge Menschen besser
als bisher vorbereiten können: auf das Erwerbsarbeiten. Dazu gehört nicht nur, ihnen das
Wirtschaftssystem samt Ursachen und Folgen zu erklären, sondern auch, ihnen entsprechende
praktische Erfahrungen zu ermöglichen. Junge Menschen sollten (auf selbstverständlich
freiwilliger Basis) Betriebspraktika machen, aber auch selbst unternehmerisch aktiv werden
können. Bei all den Angelegenheiten, die beim Aufbau und Betrieb eines kleinen
Unternehmens zu beachten sind, können junge Menschen viel lernen und Erfahrungen machen,
die an Schulen bisher nicht möglich sind.
Weitere Möglichkeiten für Bildungsangebote sind die verschiedenen
Medien.
So gibt es schon seit langem (neben Nachrichtensendungen und Reportagen)
Bildungsfernsehen und seriöse Wissensvermittlungssendungen. Diese Angebote sollten
inhaltlich verbessert und thematisch ausgeweitet werden. Ein gesonderter Bildungskanal
kann entstehen.
Besonders geeignet für Informationsbeschaffungen ist das Internet. Zu
pratkisch allen Themen findet man dort etwas. Als Ergänzung kann es noch ein umfassendes
staatliches Bildungsangebot geben. So können auch Informationen zu Themen angeboten
werden, für die sich jeweils nur ein sehr kleiner Teil interessiert, so daß an kaum
einer Schule ein Kurs dazu zustandekommt.
Ähnliches wie für das Internet gilt für Zeitschriften. Es könnte vom
Bildungsministerium (oder in dessen Auftrag) herausgegebene Allgemeinbildungs- und
Fachzeitschriften oder -magazine geben. Diese wären eine Alternative zu herkömmlichen
Lehrbüchern, vor allem wären sie immer ziemlich aktuell.
Zu guter Letzt findet Lernen auch ohne staatliche Organisation und
außerhalb von Bildungseinrichtungen statt. Bei einer besonderen Variante, dem
homeschooling (Hausunterricht), werden die Kinder zu Hause von Eltern oder Verwandten nach
eigenen (oder früheren, vom Staat abgeguckten) Lehrplänen unterrichtet. Dabei muß
sichergestellt werden können, daß niemand zum Unterricht gezwungen wird.
Außerdem gibt es noch unschooling, was bedeutet, daß die betreffenden
Kinder gar keine Bildungseinrichtung besuchen und auch nicht gezielt von den Eltern
unterrichtet werden, sondern einfach so vor sich hin leben und aus dem Leben heraus
lernen. Diese Variante ist in Deutschland zur Zeit ausschließlich bei kleineren Kindern
anzutreffen, ist aber dann sehr effektiv, wenn die Kinder tatsächlich ihren Interessen
folgen dürfen. Unschooling hat viel Ähnlichkeit mit den Sudbury Schools, allerdings
kommt man evtl. weniger mit anderen Kindern und Jugendlichen in Kontakt.
Viele Sachen lernt man tatsächlich in Alltagssituationen und ohne, daß
man sie konkret vorhersehen könnte. Und wenn man sich anguckt, wieviel man von dem in
Zwangsschulen Gelernten letztendlich wieder vergißt, stellt man fest, daß man gerade
auch heutzutage das meiste außerhalb der Schule lernt.
Es ist anzunehmen, daß die wenigsten Kinder oder Jugendlichen
ausschließlich eine der genannten Möglichkeiten nutzen werden. Selbstverständlich
können all diese Bildungsformen in die oben beschriebenen Schulen eingebaut bzw. durch
sie unterstützt werden.
Damit wären die konkreten Bildungsmöglichkeiten im Überblick
dargestellt; bleiben noch einige organisatorische Angelegenheiten zu klären.
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