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Privatschule als Selbsthilfe
Ich finde es wichtig, daß es Schulen gibt, in denen Kinder selbst entscheiden können, was und wie sie lernen. In den derzeit vorhandenen staatlichen Schulen ist das nicht möglich. Die Staatsschulen enthalten Kindern grundlegende Freiheitsrechte vor. Deshalb müssen wir eine Alternative organisieren. So ist in Berlin die Eröffnung einer konsequent freien und demokratischen Schule nach dem Sudbury-Schulkonzept geplant. Natürlich wird es sich dabei nicht um eine staatliche Schule handeln. Mit andere Worten: Es ist eine sogenannte Privatschule. Das hat nichts mit Privatisierung des Bildungswesens zu tun – es ist schlichte Notwehr und Selbsthilfe; eine „Schule von unten“.
Grundlegende Veränderungen in den staatlichen Schulen fallen nicht vom Himmel. Der Staat wird sich kaum darauf einlassen, freie und demokratische Schulkonzepte zum Standard zu machen, bevor nicht genügend Erfahrungen mit solchen Schulen vorliegen. Prinzipiell kämen dafür auch staatliche Schulversuche in Frage. Deren bisherige Praxis zeigt jedoch, daß jeweils nur einzelne Parameter des herkömmlichen Schulkonzepts verändert werden. Grundlegende Alternativen sind dort nicht zu erwarten. Für die Genehmigung einer demokratischen Schule in nicht-staatlicher Trägerschaft müssen die Behörden sich jeweils weit weniger aus dem Fenster lehnen als, wenn sie eine solche Schule als staatliche Versuchsschule zu etablieren versuchen würden. Sogenannte Privatschulen geben daher wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des staatlichen Schulwesens und können so auch den Schülern dort nutzen.
Viele Menschen, denen Soziale Gerechtigkeit wichtig ist, haben Vorbehalte gegenüber Privatschulen. Viele assoziieren mit einer Privatschule eine für normale Menschen unerschwingliche Einrichtung, in der die Kinder der Reichen unter sich bleiben und auf eine gesicherte Karriere und ein Leben in den besseren Kreisen der Gesellschaft vorbereitet werden.
Die Vorbehalte gegenüber Privatschulen und deren Neugründungen haben auch mit einer Befürchtung vor einer Privatisierung des Bildungswesens zu tun, in der sich der Staat aus seiner Verantwortung für die Finanzierung von Bildungseinrichtungen zurückziehen will.
In den letzten Jahren hat eine Privatisierung vieler bislang öffentlicher Einrichtungen stattgefunden, etwa von Krankenhäusern, Wasserbetrieben oder Müllentsorgungsunternehmen. Ergebnis waren häufig eine Verschlechterung der Qualität bei gleichzeitig steigenden Preisen.
Auch ich bin der Ansicht, daß Bildung keine Ware sein soll, für die dann die einen bezahlen müssen und mit der die anderen Profit machen. Alle Kinder sollen die gleichen Bildungschancen haben. Ich möchte, daß jedes Kind, das in eine Demokratische Schule gehen möchte, das auch kann.
Wenn hier von „Privatschulen“ die Rede ist, ist der Begriff eigentlich etwas irreführend. Denn es geht nicht allein um Schulen, die sich im Privatbesitz einer Person befinden, sondern z.B. auch um Schulen, die von gemeinnützigen Vereinen betrieben werden, wie etwa in unserem Fall. Zutreffender ist die Bezeichnung Schule in nicht-staatlicher Trägerschaft, denn entscheidend ist, daß die Schule nicht vom Staat betrieben wird. Die Frage der Finanzierung steht dabei auf einem anderen Blatt.
Hinter der Gründung der Sudbury-Schule in Berlin steht jedenfalls keine Gewinnerzielungsabsicht – im Gegenteil, sie ist ein großes wirtschaftliches Risiko und erfordert auch von den Betreibern erheblichen Einsatz von Zeit und wohl auch von Geld.
Daß für den Besuch einer Privatschule fast immer ein Schulgeld bezahlt werden muß, ist tatsächlich kritikwürdig, da auf diese Weise ein Teil der Schüler ausgeschlossen bleibt. Doch diese Kritik am Schulgeld sollte sich nur bei kommerziell arbeitenden Schulen in Freier Trägerschaft an die jeweilige Schule richten. In erster Linie muß diese Kritik den zuständigen Politikern gelten. Denn solange nicht-staatliche Schulen vom Staat gar nicht oder nur unzureichend finanziert werden, bleibt den Schulen kaum etwas anderen übrig, als Schulgeld zu verlangen. Ich jedenfalls sehe es als staatliche Aufgabe an, Schulen – unabhängig von ihrer Trägerschaft – so zu finanzieren, daß sie kein Schulgeld nehmen müssen. Würde der Staat diese Finanzierung übernehmen, könnten Schulen in freier Trägerschaft tatsächlich allen gleichermaßen offenstehen.
Wenn der Staat keine freiheitlich-demokratischen Schulen bereitstellt, müssen wir es eben selbst tun. Das ist Selbsthilfe.
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