Ist STV zu kompliziert?
veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Electoral Reform Society, übersetzt von Martin Wilke
Es ist eine Geringschätzung gegenüber den Wählern, wenn argumentiert wird, Systeme wie STV seien abzulehnen, da jegliche Abweichung vom Setzen eines einfachen Kreuzes neben dem Namen des Kandidaten manchen Wählern nicht zu vermitteln wäre. Die Anweisungen auf dem Wahlzettel sind ganz leicht zu verstehen. Wenn Ihnen gesagt wird, dass Sie eine "1" neben Ihren Lieblingskandidaten schreiben sollen, eine "2" neben ihren zweitliebsten Kandidaten, usw., dann ist doch ganz klar, was zu tun ist.
Wenn Sie fünf Dinge in der Reihenfolge vom besten zum schlechtesten auflisten können, dann können Sie auch Ihre Rolle bei einer STV-Wahl verstehen. Das Gegenteil zu behaupten, wäre als würde man sagen, wer die Details der Funktionsweise eines Verbrennungsmotors nicht versteht, der sei unfähig, Auto zu fahren.
Die Wähler bei STV-Wahlen wissen, dass eine Stimme für ihren bevorzugten Kandidaten und/oder die bevorzugte Partei dazu dient, die letztliche Sitzverteilung zu bestimmen.
In gewisser Hinsicht ist eine STV-Wahl sogar einfacher als die alte Mehrheitswahl. Bei der STV-Wahl ordnet man seine Präferenzen in dem sicheren Wissen, dass man nicht aus Versehen einem jener Kandidaten hilft, die man überhaupt nicht mag. Bei der einfachen Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen kann man das nicht garantieren. Deshalb wählen so viele Menschen "taktisch", d.h. sie stimmen nicht für ihren eigentlichen Lieblingskandidaten, sondern für jenen mit der besten Chance, einen ungeliebten Kandidaten draußenzuhalten. Bei STV gibt es für solches "taktisches Wählen" keinen Grund mehr.
Wenn Sie fünf Dinge in der Reihenfolge ihrer Vorliebe ordnen können, dann verstehen Sie auch Ihre Rolle bei einer STV-Wahl.
Dieser Text ist eine Übersetzung von "STV myth and misunderstandings: Myth 1: STV is too complicated".
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