Warrens Methode

Warrens Methode[1] ist nach C.H.E. Warren benannt und funktioniert so ähnlich wie Meeks Methode. Auch bei Warrens Methode werden Überschüsse an bereits gewählte Kandidaten verteilt.

Allerdings wird im Unterschied zu Meeks Methode kein Behaltewert berechnet, der den prozentualen Verhältnisanteil angibt, den der Kandidat von jeder Stimme und jedem Stimmenbruchteil behält. Statt dessen wird für jeden letztlich gewählten Kandidaten ein „Preis“[2] (ein Behaltebetrag, engl.: amount retained) berechnet, den jeder Wähler für die Wahl dieses Kandidaten „bezahlen“ muss, egal ob er diesen Kandidat in seiner persönlichen Präferenzrangfolge auf Platz 1 oder etwa auf Platz 3 gesetzt hat. Der Preis jedes Kandidaten ist so bestimmt, dass die addierten „Einnahmen“ des Kandidaten insgesamt genau der Quote entsprechen.

Wie bei Meeks Methode wird die Quote neuberechnet, wenn Stimmen nicht-übertragbar werden.

Der Behaltebetrag gewählter Kandidaten ist stets ein Wert zwischen 0 und 1. Der Behaltebetrag nicht gewählter Kandidaten ist 0. Wenn der Behaltebetrag von A = a und der von B = b sowie jener von C = c sei, dann gehen von den 1,00 Stimmen eines Wählers mit der Präferenzfolge A > B > C > D, zunächst a Stimmen an Kandidat A, (1 – a) Stimmen werden an B weitergegeben, der vom verbliebenen Stimmenkontingent wiederum den Betrag b einbehält und somit (1 – a – b) an Kandidat C weitergibt, sofern von der Stimme noch etwas übrig ist, das weitergegeben werden könnte. Wenn C einen Betrag erhalten hat, der größer als c ist, gibt er den verbleibenden Teil, also (1 – a – b – c) an Kandidat D weiter. Wenn bei D weniger als d Stimmen ankommen, behält er diese, kann aber nichts weitergeben.

Im Unterschied zu Meeks Methode ergibt sich der Anteil der Wählerstimme, der an den jeweils nächsten Kandidaten in der Präferenzfolge des Wählers weitergegeben wird, nicht aus der Multiplikation der Weitergabewerte jener Kandidaten, die in der Präferenzfolge weiter oben standen, sondern aus der fortgesetzten Subtraktion des Behaltebetrags vom Stimmenkontingent des Wählers, bis dieses aufgebraucht ist. Bei Warrens Methode ist die Grundoperation also nicht die Multiplikation, sondern die Addition (welche im Sinne der Addition negativer Zahlen auch die Subtraktion einschließt). Im Vergleich zu Meeks Methode werden weniger Präferenzen verwertet, da für die Folgepräferenzen ein größerer Teil der einen Stimme jedes Wählers verbraucht wird. Somit treten auch weniger nicht-übertragbare Stimmen als bei Meeks Methode auf.

Als Vorteil gegenüber der Meek-Methode wird angeführt, dass sich das Wahlergebnis nicht ändert, wenn Wähler ihre Präferenzfolge von ABCD zu ACBD ändern, wenn die Kandidaten A, B und C auch bei der Präferenzfolge ABCD gewählt worden sind. I. D. Hill hat allerdings gezeigt, dass diese Behauptung nicht immer zutrifft.[3] Nichtsdestotrotz betrachte ich Warrens Methode als die – nach Meeks Methode – bisher zweitbeste STV-Übertragungsmethode.




[1] Vgl. C. H. E. Warren: Counting in STV elections, in: Voting Matters, No. 1 (1/1994), http://www.mcdougall.org.uk/VM/ISSUE1/P4.HTM (abgerufen am 01.10.2007)

[2] Vgl. Wilko Zicht / Martin Fehndrich: Artikel „STV“ im Wahlrechtslexikon von wahlrecht.de, http://www.wahlrecht.de/lexikon/stv.html (abgerufen am 05.09.2007)

[3] Vgl. I. D. Hill und C. H. E. Warren: Meek vs. Warren, in: Voting Matters, No. 20 (1/2005), http://www.mcdougall.org.uk/VM/ISSUE20/I20P1.PDF S. 3 (abgerufen am 21.08.2007)



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