Das Wright-System
Das Wright-System ist eine STV-Variante, die Eigenschaften der Weighted Inclusive Gregory Method (WIGM) und von Meeks Methode
verbindet. Das Verfahren ist nach Jack Wright, dem früheren
Vorsitzenden der Proportional Representation Society of Australia
benannt.
Wie bei Meeks Methode wird die Auszählung neu
gestartet, wenn ein Kandidat gestrichen wurde. Dadurch verhält sich die
Auszählung so, als wäre der ausgeschiedene Kandidat gar nicht erst
angetreten (außer, dass bereits zuvor ausgeschiedene Kandidaten nicht
wieder zum Leben erweckt werden können).
Ähnlich wie bei Meeks Methode wird die Quote reduziert, wenn nicht-übertragbare Stimmen auftreten.
Die
Quote ist wie bei der WIGM in Schottland die ganzzahlige Droop-Quote.
(Es wäre jedoch genauso gut möglich, die Quote als Bruchzahl mit z.B.
drei Kommastellen anzugeben. Auf diese Weise könnte ein größerer Teil
der Stimme erfolgreicher Kandidaten übertragen werden.) Die Quote wird
bei der ersten Runde der Auszählung anhand der Summe aller
Erstpräferenzen berechnet. In späteren Runden, also nach dem
Ausscheiden von Kandidaten wird sie anhand der Anzahl der Stimmzettel
berechnet, auf denen der Wähler mindestens einen noch im Rennen
befindlichen Kandidaten mit einer Präferenz bedachten hat. Stimmzettel,
die keinen noch im Rennen befindlichen Kandidaten enthalten, werden -
vergleichbar mit ungültigen Stimmen - beiseite gelegt. Auf diese Weise
verringert sich ggf. die Quote gegenüber vorherigen Runden der
Auszählung. Im Verlaufe einer Runde auftretende nicht-übertragbare
Stimmenbruchteile werden wie bei der WIGM einfach als nicht-übertragbar
vermerkt.
Im Unterschied zu Meeks Methode werden allerdings
keine Behaltewerte berechnet. Kandidaten, die bereits genug Stimmen
haben, um vorläufig gewählt zu sein, erhalten keine Stimmen durch die
Übertragung von Überschüssen. Statt dessen findet die Übertragung von
Überschüssen wie bei der WIGM statt, indem für jeden Stimmzettel ein
Stimmwert berechnet wird und Überschüsse als Stimmen mit reduziertem
Wert übertragen werden.
Kandidaten, deren Stimmenzahl die
Quote erreicht oder übersteigt, werden erstmal nur für vorläufig
gewählt erklärt. Die Erklärung eines Kandidaten als vorläufig gewählt
gilt nur für die jeweilige Runde der Auszählung, d.h. bis zur
Streichung eines Kandidaten, welche dann zu einem Neustart der
Auszählung führt.
Da die Auszählung nach der Streichung von
Kandidaten neu gestartet wird, können Kandidaten, die in früheren
Runden vorläufig gewählt waren, jedoch von den Stimmen gestrichener
Kandidaten profitieren. Wenn beispielsweise die Erstpräferenz eines
Wählers ausscheidet, wird dessen Zweitpräferenz nach dem Neustart im
Grunde zu seiner neuen Erstpräferenz. Wie bei Meeks Methode ist dadurch
die als Woodall-Freeriding bekannte Form taktischen Wählens nicht mehr
möglich.
Wie bei der WIGM besteht jedoch weiterhin das Problem der Diskontinuität.
Es
ist zulässig, mehrere schwächste Kandidaten gemeinsam zu streichen
(bulk elimination), solange die Summe der Stimmenzahlen dieser
Kandidaten geringer ist als die Stimmenzahl, die irgendeinem anderen
Kandidaten noch zum Erreichen der Quote fehlt, und solange die Summe
der Stimmenzahlen dieser gemeinsam gestrichenen Kandidaten geringer ist
als die Stimmenzahl des nächstschwächeren Kandidaten.
In der
letzten Runde werden alle zu vergebenden Sitze allein durch
Erstpräferenzen oder Übertragung von Überschüssen besetzts, so dass
keine weitere Streichung von Kandidaten nötig ist. Die in dieser Runde
verläufig gewählten Kandidaten werden für endgültig gewählt erklärt.
Das
Wright-System reduziert den Rechenaufwand, der bei Meeks Methode mit
der iterativen Berechnung der Behaltewerte und der Quote verbunden
wäre, deutlich. Dadurch kann die Auszählung nötigenfalls ohne Computer,
mit Papier, Stift und Taschenrechner erfolgen.
Weiterführende Informationen:
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