Die
Gleichberechtigung des Kindes
Schon wieder so eine Forderung, die
absurd klingt! Schließlich unterscheiden sich Kinder
doch in vielerlei Hinsicht von Erwachsenen. So haben
sie z.B. nicht die gleichen Fähigkeiten und
Erfahrungen wie die meisten Erwachsenen. Also wie
kommt man zu so einer Forderung?
Da Kinder zweifelsfrei Menschen
sind, haben sie die gleiche unantastbare
Menschenwürde wie alle erwachsenen Menschen. Da aus
dieser Menschenwürde die Menschenrechte hergeleitet
werden, müssen alle die gleichen Menschenrechte
haben. Zudem ist es grundsätzlich ungerecht, wenn
Menschen aufgrund einer Eigenschaft diskriminiert
werden, für die sie nichts können. Und das Alter
ist solch eine Eigenschaft, ähnlich wie die
Hautfarbe. Menschenrechte und Gleichberechtigung
lassen sich nicht von einander trennen.
Fähigkeiten
Die geringeren Fähigkeiten von
Kindern können kein Argument sein, um ihnen Rechte
vorzuenthalten. Grundgedanke der Menschenrechte ist
der Schutz Schwächerer. Menschenrechte wurden
eingeführt, damit sich eben nicht immer der
Stärkere durchsetzt. Erst die Gleichberechtigung
ermöglicht einen fairen Umgang miteinander. Nur auf
der Grundlage der Menschenrechte können Konflikte
gerecht gelöst werden.
Also gerade weil Kinder und
Jugendliche in vielen Bereichen weniger Fähigkeiten
haben, sind sie darauf angewiesen, wenigstens auf der
Ebene der Rechte gleich zu sein. Wenn man den jungen
Menschen wie heutzutage üblich die
Menschenrechte verwehrt, wird die Grundidee der
Menschenrechte geradezu in ihr Gegenteil verkehrt.
Schutz
Schutz darf grundsätzlich nie
bedeuten, daß die Rechte der zu schützenden Person
eingeschränkt werden. Behinderte oder auch
altersschwache Menschen sind ähnlich wie
Kinder in ihren Fähigkeiten eingeschränkt.
Niemand kommt aber auf die Idee, ihnen zu ihrem
Schutz Rechte wegzunehmen oder ihnen die
grundsätzliche Gleichberechtigung abzusprechen. Es
hat einfach keinen Sinn, einem fast Blinden das
Zeitunglesen zu verbieten. Vielmehr muß gerade sein
Recht auf Informationsfreiheit besonders geschützt
werden.
Pflichten
Menschenrechte hängen auch nicht
von Pflichten ab. Schließlich sollen sie gerade
diejenigen schützen, die vielfach gar nicht in der
Lage sind, Pflichten zu erfüllen.
Wenn man Kindern mit zunehmendem
Alter mehr Rechte gibt, bekommen ausgerechnet immer
diejenigen mehr Rechte, die ohnehin schon über mehr
Fähigkeiten verfügen. Alle Menschen müssen aber
von Anfang an die gleichen Rechte haben. Und je
fähiger sie werden das sollte nicht am Alter
gemessen werden , desto mehr Pflichten können
sie übernehmen.
Nach der zumindest
gesetzlichen Gleichberechtigung der Frauen,
der Farbigen und der Menschen mit Behinderung wäre
die Gleichberechtigung der Kinder ein logischer,
konsequenter und dringend gebotener Schritt.
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