Lernzwang - wozu
denn sowas?
Alle Menschen haben ein
natürliches Lernbedürfnis. Das ist allgemein
anerkannt, und davon kann sich auch jeder selbst
überzeugen, wenn er sich Kleinkinder anschaut:
Kinder kommen auf die Welt und beginnen
sofort, sie zu erforschen. Innerhalb kurzer Zeit
lernen sie so komplizierte Sachen wie Laufen und
Sprechen und natürlich noch vieles mehr. Dazu ist
kein Druck oder Zwang notwendig. Denn Kinder sind
neugierig und wollen von sich aus lernen. Und:
Es ist auch kein Lehrplan dazu
nötig. Lernen ist eine überaus komplexe Sache, die
kann man zwar unterstützen, aber nicht vorbestimmen.
Lernen ist ein aktiver, dynamischer Prozeß. Lernen
ist etwas, das man selbst tut, nicht etwas, das an
einem getan wird. Lernen ist nicht das automatische
Ergebnis von Lehren. Wäre es dies, dann müßten
Leute, die 10 oder 13 Jahre zur Schule gegangen sind,
unheimlich viel wissen. Das ist aber offensichtlich
nicht der Fall, wie nicht nur 4 Millionen
Analphabeten in Deutschland beweisen.
Lernen setzt Interesse voraus
eigene Motivation; und die kann man nicht
verordnen nicht dem Einzelnen, und schon
gar nicht für eine ganze Gruppe. Druck und Zwang
mögen vielleicht für einen kurzen Zeitraum zum
"Lernen" bewegen aber eben zum
Auswendiglernen statt zum Begreifen. Sie erzeugen
eher selten eigene Motivation, was man daran sieht,
daß der Schüler aufhört, sich mit dem Thema zu
befassen, sobald der Druck wegfällt.
Den Lernzwang aufrecht zu erhalten,
scheint nicht sinnvoll (geschweige denn gerecht oder
so), da er kaum tiefgründiges Lernen bewirkt. Welche
Berechtigung hat der Lernzwang also? Ist seine
behauptete Notwendigkeit nicht wie Ergebnisse
aus der Hirn- und Lernforschung belegen
einfach ein großer Irrtum? Und sollte man einen
Irrtum wirklich weiter verteidigen, zumal es
Alternativen gibt?
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